Celloschraubereien

 

 

 

 

Inhalt

 

 

Vorgeschichte

 

 

Weltneuheit: Hält schwersten Celli stand. Wie man eine Schwerlaststahlseil-konstruktion mit einer Tragfähigkeit von 1850 Kg in der Funktion eines Cello- Stachelankers anfertigt. Soll ja halten, das Ganze! 

September 2018 / November 2019 / Juni 2020

 

 

Nochmals Stegarbeiten Juni 2015

 

 

Fehler: Anhängesaite zu lang! April 2015

 

 

Nochmals ein Austausch des Saitenhalters und der Einhängesaite Februar 2015

 

 

Eine Einlage für die Stegnuten Januar 2015

 

 

 

Eine neue D – und eine neue A – Saite Okt./Nov. 2014

 

 

Der Saitenhalter und die Anhängesaite August 2014

 

 

Stacheltuning: Der Stachel aus Stahl sollte einem Karbonstachel weichen

April 2014

 

 

Bogenmechanikpflege Januar 2014

 

 

Das Versetzen des Stimmstocks September 2013

 

 

 

Steg-Experimente August 2013

 

 

 

 

 

 

Vorgeschichte 

 

 

Erst im Jahre 2012 und im Alter von 35 Jahren kam ich auf die Idee, es doch einmal mit dem Spiel des Cellos zu versuchen – ohne jegliche Vorkenntnisse und als absoluter Musiknichtkenner! Mir bewusst, dass es äußerst hilfreich sein kann, Synapsen früh zu Wege zu bringen, also in jungen Jahren an ein Musikinstrument geführt zu werden. Ich bin aber der Meinung, dass es für das Erlernen eines Musikinstrumentes keinerlei Altersbeschränkung gibt.

Zwar erwarb ich 2003 meinen ersten Kontrabass nahe Würzburg, um das Musizieren an und mit diesem zu erlernen. Völlig um mich geschehen war es nach dem Tanztheaterstück von Katja Erdmann-Rajski mit Karoline Höfler am Kontrabass zu Beginn des Januars 2004. Aber bald stand er für viele Jahre nur noch in einer Ecke herum und ward vergessen. Meine Berührungsängste waren unüberwindbar. Unterricht habe ich nie wahrgenommen und den Kontrabass autodidaktisch anzugehen – das war bei mir leider nicht drin.

Im September 2005 fuhr ich ins Salzburger Land hinunter um dort bei einem Geigenbauer einen zweiten Kontrabass zu bauen, aus erlesenen Hölzern der Fichte, Elsbeere und des Ahorns. Für den Zeitraum einer Woche hatte ich einen Einblick in ein wunderbares Handwerk.

 

Zurück zum Thema „Cello“:

 

 

Das ausschlaggebende Argument und ein nicht von der Hand zu weisender Vorteil: Das Cello lässt sich weitaus angenehmer als ein Kontrabass auf dem Motorrad transportieren! 

 

 

 

So nahm ich ab Frühjahr 2012 regelmäßig wöchentlich Cello-Unterricht wahr und meine Cellolehrerin hatte zufällig ein nettes Cello aus Mittenwald der 1960er Jahre im Auftrag zu verkaufen. 2013 nahm es dann leider wieder sehr stark ab, 2014 bis 2018 nahm ich sehr wenig bis sozusagen keinen Unterricht wahr und auch das Üben daheim nahm immer mehr ab.

Vergeigt, das Cello? Doch nun, zum Ende des Jahres 2019, soll es doch wieder aufgenommen werden, das Spiel des Cellos…

 

Dieser Themenbereich soll aber von meinen kleinen Umbaumaßnahmen am Cello handeln, die ich in den Jahren 2013 bis 2015 durchgeführt hatte. Vielleicht werden doch einmal tiefgreifendere Maßnahmen oder Reparaturen nötig sein, von denen ich berichten werde.

 

 

 

 

 

 

September 2018 / Juni 2020

 

Weltneuheit! Hält schwersten Celli stand:

 

Ich baue mir eine Schwerlaststahlseilkonstruktion als

 

Cello-Stachelanker mithilfe eines 12 mm-Stahlseiles

 

IWRC, das eine Tragfähigkeit von 1850 Kg aufweist.

 

Damit während des Übens das Cello nicht immerzu hinfort rutscht, verwendet man so genannte „Stachelanker“. Das können Bretter sein, die mehrere Bohrungen haben und die an eines der Stuhlbeine gebunden werden oder aber es sind einfach einstellbare Bänder. Bisher half ich mir mit Schnürsenkeln aus, die ich an den Enden zusammenband. Da hüpfte der Cellostachel aber gelegentlich hindurch. Nun sollte die ganze Sache aber halten.

Wie geht man hierbei vor?

 

Was wir hierfür benötigen:

 

1) Stahlseil im Durchmesser 12 mm, sZ = Kreuzschlag

 

    rechts, Konstruktion 6x36, IWRC = Stahlseele

 

 

2) Eine geschmiedete Sonderkausche 12x40

 

 

3) Eine konische Pressklemme 12 mm mit Sichtloch, Form C

 

 

4) Eine 12er Drahtseilklemme DIN 1142

 

 

5) Eine kleine Presse mit konischen Pressbacken, an der man die

 

    Pressklemme (bei Ø 12 mm mit ca. 1100 KN) verpresst – soll ja

 

    halten, das Ganze. Tragkraft 1850 Kg

 

 

 

6) Eine Abbrennmaschine um das Seil am anderen Ende anzuspitzen

 

 

 

 

Die Einzelteile:

 

 

Am anderen Ende habe ich das Seil spitz verschweißt – damit es nicht

 

mehr aufgehen kann. Denn wenn man mit den Fingern durch Fleischhaken

 

fährt, lässt sich anschließend der Bogen gewiss ungelenk über die Saiten

 

streichen und ein schmerzverzerrtes Gesicht entstünde hierbei bestimmt

 

nicht durch erzeugte Misstöne. Misstöne aber wohl durch schmerzende

 

Finger.

 

 

 

Größenvergleich.

 

Rechts eine zylindrische Pressklemme für Stahlseile Ø 1 mm, links eine

 

zylindrische Pressklemme für Stahlseile mit Ø 30 mm – das ist dann für die

 

ganz schweren Celli :

 

Das offene Ende des Seiles wird um einen der Stuhlfüße gebunden und mithilfe der 12er Seilklemme eingeschlauft, womit auch die Länge einstellbar ist. Hierfür benötigt man einen 13er Ringschlüssel, bitte immer im Bordwerkzeug mitführen! Auf die eine Seite der Kausche habe ich übrigens Filz geklebt, damit der Boden nicht verkratzt wird.

 

 

Fertig ist das Cello-Antirutschseil!   

 

 

 

                                           Vorher & nachher :



 

November 2019 / Juni 2020

  

 

Und so sieht das 12 mm – Stahlseil IWRC mit einer Tragfähigkeit von 1850 Kg

 

in der Funktion eines Stachelankers in der Praxis aus. Die Bilder 2 und 3 sind vom Juni 2020, nun normgerecht mit vieren Drahtseilklemmen DIN 1142.

Bis 2 ½ Tonnen von mir an der Zugpresse getestet!

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkung zu den nachfolgenden Geigenbauexperimenten:

Nicht zur Nachahmung empfohlen! Und solltet ihr euch doch einmal an die Mechanik des Cellos wagen, so bitte behutsam vorgehen. Bei allen Arbeiten, die eine Demontage der Saiten, des Steges oder des Saitenhalters vonnöten machen, bitte links und rechts des Steges und unter dem Saitenhalter z.B. eine Zeitung oder ein Handtuch auflegen. Sollte einmal der Steg ruckartig umklappen und / oder der Saitenhalter aufknallen, kann dies die Decke beschädigen! Durch einen demontierten Steg besteht kein Druck auf der Decke und es kann daher der Stimmstock im Korpus umfallen! Die folgenden Versuche entstanden aus meiner Experimentierfreude heraus.

 

 

 

Nochmals Stegarbeiten

 

Juni 2015

 

Ich erhielt neue Informationen bezüglich des Stegs. Wie unten bereits erwähnt, wird dieser ja mithilfe eines Stegfußspreizers und eines Schnitzmessers an die Kontur der Decke angepasst. Im bereits genannten tollen Forum des Geigenbauers aus der Nähe von Hamburg fragte ich nochmals an und es wurde mir gesagt, dass bei alten Instrumenten mit ungleichmäßigem Deckengrund hierbei mit Kreide gearbeitet werde. Bei gleichmäßiger Decke sei das nicht notwendig. Erfahrung sollte man beim genauen Anpassen mit dem Schnitzmesser auf jeden Fall haben. Die Stegfußbreite sollte sich an der Bassbalkenposition richten. Stege gebe es in 88, 90, 92 und 94 mm Breite. Bei mittiger Stegposition sollte der Stegfuß der Bassseite etwas über den Bassbalken herausragen. Die Füße müssen um 1,5 mm gespreizt werden. Man könne hierfür auch einen alten Stimmstock nehmen. Wichtig: Exakt passende Füße seien nicht nur für den Klang entscheidend. Passten die Füße nur partiell, entstehe an den Punkten ein erheblich größerer Druck, der das Deckenholz auf Dauer verformen kann!

 

 

Ich verwendete eine M8-Schraube mit halbrunder Hutmutter. Beidseitig legte ich aber ein kleines Stück Pappe dazwischen. Ich drehte die Mutter etwas raus, aber nur behutsam von Hand! Bis ich die Stegfüße um 1,5 mm voneinander gespreizt hatte. In diesem Zustand schabte ich die Stegfüße abermals vorsichtig auf der Decke ein, abermals mit feinem Schleifpapier, da ich es mir mit einem Schnitzmesser nicht zutraute. Das Ergebnis schaute aber ganz formidabel aus. Ich nutzte die Gelegenheit und gestaltete meinen Steg vorsichtig noch etwas eleganter, feiner.  

 

 

 

 

Fehler meinerseits: Ich ließ die Anhängesaite viel zu

 

lang und musste dies ändern

 

April 2015

 

Seit meiner letzten Umbau-Aktion war ich doch wieder unzufrieden mit der Ansprache der Saiten und der Brillanz. Zwar war mir aufgefallen, dass ich diesmal die Anhängesaite sehr lang ließ aber ich dachte mir nichts dabei. So besuchte ich Anfang April wieder meinen Musikalienladen. Ich zückte sofort einen Meterstab. „Entschuldigen Sie bitte. Ich habe ein vielleicht ungewöhnlich anmutendes Anliegen: Darf ich Maß an Ihren Celli nehmen?“ Sie ließ mich tatsächlich gewähren und ich schaute mir alle ihre Celli an. Es fiel mir sofort ins Auge und der Meterstab war somit überflüssig. Bei allen Celli saß die unterste Kante des Saitenhalters beinahe genau über der oberen Kante des Untersattels (das kleine Holzklötzchen an der Unterkante der Decke) und bei meinem waren es 5,5 Zentimeter Abstand! Sie meinte, dass man die Anhängesaite immerzu so kurz als möglich halten solle. Merci! Wieder etwas hinzugelernt. Daheim musste ich dann alles wieder vorsichtig demontieren, den Saitenhalter und den Steg. Danach kürzte ich die Anhängesaite an einem Ende und musste diese neu verknoten.


 

 

 

Nochmals ein Austausch des Saitenhalters und der

 

Einhängesaite

 

Februar 2015

 

Den palisanderfarbigen Wittner-Saitenhalter aus Verbundwerkstoff und die dicke Kunststoffanhängesaite mit den zwei Messingrändelmuttern demontierte ich wieder. Denn einen Tag zuvor kam die Einhängesaite von Bois d`Harmonie, sie ist aus einer Carbonfaser gesponnen und sie soll zehn Mal widerstandsfähiger als Stahl sein, ohne jede Elastizität, trotzdem flexibel. So werden die Schwingungen ungedämpft an den Korpus weitergegeben. Nur 1 Gramm Gewicht hat sie - die normale Kunststoffsaite wog 8 Gramm!

Ich baute auch gleich den schwarzen Akustikus-Saitenhalter wieder an, der ursprünglich montiert war. Einmal, da er eleganter und kleiner ausfällt und ich im Cello-Forum ( http://www.razyboard.com/system/user_cellissimo.html )  erfuhr, dass der Akustikus aus Plastik ein sehr guter Saitenhalter sei, den manche Cellisten auf ihren alten französischen Celli (Bernadel, Vuillaume) benutzen sollen und zwar nicht einfach so zufällig, sondern nach längerem Probieren bei einem sehr geschätzten Geigenbauer. Vielen Dank für diese Information, meine lieben Mitglieder des Cello-Forums!

 

 

Oben der Saitenhalter von Akustikus mit der neuen Einhängesaite von

Bois d´Harmonie. Unten der Saitenhalter von Wittner mit der Kunststoffeinhängesaite und den zwei Messingrändelmuttern:

 

 

 

 

 

Eine Einlage für die Stegnuten

 

Januar 2015

 

Die A-Saite schnitt sich doch schon zu sehr ins Stegholz hinein. Früher verwendete ich bei einer anderen Saite ein Stück aufgeschlitzte Hülle eines

1,5 mm^2 KFZ-Kabels ohne klangliche Nachteile bemerkt zu haben.
Ich besuchte einen Musikalienhandel und sie sagten, dass man hier ein "Pergament", ein Stück Ziegenhaut einsetzen solle. Dieses wird auch „Trommelfell“ genannt da hiermit auch Trommeln bespannt werden. So tat ich es, auch wenn sich mir als bekennender Vegetarier die Nackenhaare sträubten…

 

 

 

 

 

Eine neue D – und eine neue A – Saite

 

Oktober / November 2014

 

Mit der A- und der D-Saite war ich lange schon nicht mehr zufrieden. Die A-Saite erklang meines Erachtens zu scharf und „schneidend“. Die D-Saite sprach oft nicht klar an, war träge, dumpf. Ich kaufte mir erst die D-Saite und war so begeistert, dass ich bald auch die A-Saite austauschte. Die beiden neuen Saiten waren von „Larsen Strings, Soloist´s Edition, Medium“. Sie sprechen toll an und haben einen brillanten Klang. Es sind mit Chromstahl umsponnene Saiten, während die C- und G-Saiten mit Wolfram umsponnen sind. Die C- und die G-Saite, Hersteller unbekannt, beließ ich aber vorerst, da ich mit ihnen zufrieden war.

 

 

 

 

Der Saitenhalter und die Anhängesaite

 

August 2014

 

 

Mitte August 2014 tauschte ich den Plastesaitenhalter von Akustikus durch einen neuen von Wittner aus, welcher aus einem Verbundwerkstoff besteht. Auch dieser hatte vier integrierte Feinstimmer. Bei diesem war eine neue Schraubhängesaite aus schwarzem Perlon, die mit zweien Messingrändelmuttern im Saitenhalter befestigt wird, anbei. Zuvor war an meinem Cello ein dünner Draht montiert. Später aber wollte ich es klassischer haben und besorgte mir eine Hängesaite aus Naturdarm. Leider gab es mit dieser Probleme: Jeden Tag musste ich das Cello erneut stimmen und manchmal knackte es auch! Ich sah, dass sich die Darmhängesaite langsam aufzwirbelte. Das war mir zu heikel, weshalb ich bald auf die Perlonschraubhängesaite zurückgriff. Später werde ich noch einen Saitenhalter aus Holz ausprobieren. Zum Beispiel aus Palisander, Ebenholz, Buchs oder Fermanbukholz. Letzteres soll die höchste Schallleitfähigkeit haben.

 

 

 

 

Stacheltuning: Der Stachel aus Stahl sollte einem

 

Karbonstachel weichen

 

 

April 2014

 

Während des Spiels schepperte manchmal der Stahlstachel, was sich durch das Nachziehen der Flügelmutter der Birne meist schnell beheben ließ. Nichtsdestotrotz störte mich diese schwere Stahlstange inmitten dieses Kunstwerkes aus Holz. Ich hielt nach einem Karbonstachel ohne Birne Ausschau, denn diese wollte ich nicht demontieren. Sie ist per Konus in den Korpus unten eingelassen. Da aber der Stahlstachel im Innern des Korpus einen Anschlag hatte, sägte ich den Stahlstachel im voll ausgefahrenen Zustand ab. Den kurzen Rest klopfte ich behutsam nach innen in den Korpus. Mittels eines langen Stabmagneten fischte ich das kleine Stahlstück zu einem der f-Löcher hinaus. Den neuen Stachel aus Karbon kürzte ich auch gleich etwas und brachte bei nicht ganz voll ausgefahrenem Zustand eine Markierung an, da dieser ja keinen Anschlag hat.

Gewicht des Stahlstachels: 123 Gramm

Gewicht des Karbonstachels: 71 Gramm

 

 

Und das Scheppern des Stachels war vorbei.

 

 

 

 

Bogenmechanikpflege

 

Januar 2014

 

 

Ein wenig Fett an das Gewinde des Bogenspanners und das Spannen wird

erleichtert:

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Versetzen des Stimmstocks

 

September 2013

 

Beim Montieren meines neuen Steges bemerkte ich, dass der Stimmstock an falscher Position sitzt. Der Stimmstock ist ein Fichtenholzstab, der zwischen Decke und Boden eingeklemmt ist. Es wird gesagt, dass es keine echte Standardposition für einen Stimmstock gibt. Für jedes Instrument sollte der passende ideale Standort gefunden werden. Er sitzt vor dem linken Stegfuß, wenn man oben vom Griffbrett aus Richtung Saitenhalter schaut. Meiner aber saß aber offensichtlich zu weit vom Stegfuß entfernt. Hierfür musste der Steg abermals demontiert werden, um den Druck von der Decke zu nehmen. Danach wird der Stimmstock mithilfe eines Spezialhebels umgeworfen und an der richtigen Stelle wieder aufgerichtet.

Dies alles geschieht durch das F-Loch. Diese Arbeit überließ ich diesmal einer Geigenbauerin, auch wenn ich dies 2005 in Salzburg unter Anleitung an einem Kontrabass erledigte.

 

Ergebnis:

Wenn ich nun sage: „Es spielt sich wie von allein“, wäre das aus Sicht eines

Anfängers wohl geprahlt. Aber in der Tat: Weitere Verbesserungen traten ein. Klarer und sauberer im Klang und auch die Ansprache aller Saiten verbesserte sich. Ich war verblüfft auch wenn ich solch ein Resultat erahnte und erhoffte. Auch meine Cellolehrerin war Mitte Januar 2014 begeistert von meinen Änderungen. Sie spielte es und hörte sofort den bzw. die Unterschiede heraus und das, obwohl wir uns ein halbes Jahr nicht mehr gesehen hatten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Steg-Experimente

 

 

August 2013

 

An meinem Cello war etwas Feintuning notwendig. Hierzu gehörte auch ein besserer Steg. Stege sind meist aus Ahorn. Hochwertige sind aus langsam gewachsenem Bosnischem Ahornholz mit engen Jahresringen, das mindestens 10 Jahre natürlich getrocknet wurde. Ich kaufte mir einen vernünftigen bei einem Musikalienhandel. Es war aber ein roher Steg, der noch bearbeitet werden musste.

Oben Links der alte Steg und rechts der neue, noch unbehandelte Steg. Dieser hat höhere Füße, ist oben am Radius um einiges höher und hat eine stärkere Materialdicke.

Alter Steg: 14 Gramm

 

Neuer Steg zu Beginn: 23 Gramm

 

Zuerst übertrug ich ringsum die Konturen der Stegfüße auf den neuen Steg mit einem Bleistift und einem Messschieber.

 

Danach sägte ich beide Füße mithilfe eines Metallsägeblattes zu:

 

Anschließend verschliff ich die Sägestellen mit einem Schleifpapier.

Die Feinanpassung der Füße aber erfolgte auf der Cellodecke. Hierzu klebt man ein Schleifpapier auf die entsprechende Stelle. Diese habe ich vorher vermessen und markiert. Die Stegfüße werden dann sozusagen an die Deckenkontur angepasst, indem man sie auf dem Schleifpapier einschleift. Achtung! Das muss behutsam geschehen: Nicht wackeln, sonst können die Füße schief bzw. schräg werden. Und am besten den Steg nur in eine Richtung ziehen und nicht hin und her. Zuletzt wird ein feines Schleifpapier angebracht. Eine Arbeit, die viel Geduld erfordert. Die Füße sollten später exakt auf der Wölbung der Decke aufliegen! Und auch nicht zu grobkörniges

Schleifpapier verwenden, dessen Körner später die schöne Cellodecke zerkratzen können!!

 

Danach spannte ich beide Stege aufeinander, die Fußpaare deckend, um den oberen Radius anzeichnen zu können, sägte das runde Stück oben ab und verschliff den Radius. Die C-Saite liegt übrigens am höchsten.

An einer Bandschleifmaschine musste ich die Gesamtdicke des neuen Steges abnehmen. Hierbei bitte darauf achten, dass man an der Breite der Füße und oben am Radius nicht ungewollt etwas bzw. zuviel abnimmt!

Nachtrag, Mai 2015: Ich hatte von einem Geigenbauer aus der Nähe von Hamburg, der auch eine fantastische, aufwändig und engagiert gestaltete Website und ein Forum im Internet betreibt, erfahren, dass die längeren Markstrahlen aus Stabilitätsgründen zur Griffbrettseite zeigen sollten. An dieser Seite sei i.d.R. auch der Stempel des Herstellers angebracht. Beim Aufpassen werde nur die Vorderseite bearbeitet und der Stempel des Herstellers verschwindet somit. Die Rückseite bleibe Plan.

Das Experiment selbst: Ich nahm hier und da Gewicht ab, brachte an allen Kanten großzügige Radien an (ich wollte einen optisch „weichen“, „runden“ Steg haben), beließ aber die Auflagekante der Saiten und die Füße selbst etwas breiter, um ihnen jeweils mehr Auflagefläche zu gewähren.

Die Kerben für die vier Saiten mit einer dünnen Rundfeile angebracht.

Gewicht des alten Steges: 14 Gramm

neuer Steg bearbeitet:  13 Gramm

Anschließend schliff ich die Füße nochmals behutsam und akribisch auf der Cellodecke ein.

Nachtrag, Juni 2015: Im Geigenbau sei es üblich, die Stegfüße mithilfe eines Stegfußspreizers und eines Schnitzmessers an die Decke anzupassen. Der Spreizer simuliert einen montierten und somit mit dem Druck der Saiten beaufschlagten Steg! Siehe bitte auch unten unter „2. Juni 2015“

 

Montage des Steges: Die gerade Seite (90°) schaut weg vom Griffbrett, also gen Saitenhalter. Die Kerben der Saitenauflage werden mit Bleistiftgraphit ausgemalt, was zur Schmierung dient. Die Füße befinden sich genau zwischen den Kerben der F-Löcher, gleichmäßigen Abstand nach links und rechts ausmitteln. Bitte beim Spannen der Saiten darauf achten, dass der Steg nicht umkippt und die Decke beschädigt oder dieser  krumm wird!! Diesen festhalten und ggf. nachjustieren. Ich legte daher zusätzlich ein zusammengefaltetes Handtuch oder eine Zeitung beiderseits neben den Steg und unter den Saitenhalter, für den Fall der Fälle. 

Ergebnis: 

 

Der Klang ertönt meines Erachtens weicher. Eines fiel mir sofort positiv auf: Die C-Saite spricht viel besser und schneller an!

Copyright 2019 D. Spang